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Krisenjahr 1887 bis 1.Weltkrieg

Nach 16 Jahren guter Zusammenarbeit folgte das Krisenjahr 1887. Zufolge Meinungsverschiedenheiten in der Wehr selbst und Differenzen zwischen Kommando und Gemeindevertretung kam es in der Generalversammlung zum Rücktritt des Kommandanten Franz Pillinger und zu dessen Austritt. Die anwesenden Mitglieder erklärten ebenfalls ihren Austritt und stellten die Spritze, Requisiten und die Kasse der Gemeinde zur Verfügung. Sie "verjubelten", wie es in der Chronik heißt, die Gelder der Kameradschaftskasse von insgesamt 36 fl und 84 kr. Am 18. Feber befaßte sich der Gemeindeausschuß mit der neugeschaffenen Situation und erließ einen Aufruf zur Neukonstituierung der Wehr. Es meldeten sich 45 Gemeindeangehörige und wählten unter Vorsitz des damaligen Bürgermeisters Weyrmayr Caspar Zeitlinger zum Kommandanten.

Das Jahr 1892 half der Feuerwehr einen Schritt weiter. Es gelang ihr, einen neuen Requisitenwagen anzuschaffen. Der Wagen wurde in Gemeinschaftsarbeit von den Micheldorfer Handwerkern Wagnermeister Huemer, Schmiedemeister Stehlik und Sattlermeister Rieder gebaut. Nach der ersten Probefahrt in die Krems zum Badhaus (dieses wurde durch eine Pulverexplosion zerstört) konnte der vom Sensengewerken Zeitlinger entliehene und als Requisitenwagen verwendete Jagdwagen zurückgestellt werden.

Am 28. Juni 1896 leitete ein musikalischer Weckruf das 25 jährige Gründungsfest ein. 13 Feuerwehren mit insgesamt 300 Mann waren der Einladung der Micheldorfer gefolgt. K. u. k. Bezirkshauptmann Graf Fünfkirchen zeichnete beim Festakt die Gründungsmitglieder Johann Huemer, Franz Pillinger, Conrad Pribil, August Kobler, Josef Zeilinger und Johann Stadler für ihre 25jährige Zugehörigkeit zur Wehr aus.

Die Zeit von 1897 bis August 1914, dem Ausbruch des 1. Weltkrieges, verlief verhältnismäßig ruhig. Es gab zwar 1908 eine kleine Krise. Hauptmann Strasser und sein Stellvertreter Weiermaier legten ihre Funktionen zurück. Es konnte vorerst kein Ersatz gefunden werden, da sich niemand bereit erklärte, die freien Stellen im Kommando zu übernehmen. Es wurde daher ein Provisorium bestehend aus den Feuerwehrleuten Schreiner, Scheicher, Kremsmüller und Kroppus, gegründet, welches die Leitung der Wehr übernahm. Die Wahl des Privaten Hermann Zeitlinger zum Kommandanten setzte diesem Zustand ein Ende. Weiters berichtet die Chronik, daß ein Schlauchturm ans Depot angebaut und 1914 eine mechanische Schiebeleiter bestellt und geliefert wurde.

Gar bald wurde die Feuerwehr als "Mädchen für alles" entdeckt. Zahlreich sind deren Mitwirkung bei Schlitten- und Radrennen, örtlichen Feierlichkeiten, Geburtstagsfeiern für Se. Majestät den Kaiser und sonstigen Anlässen.

Am 5. April 1903 spendeten die Frauen und Fräuleins von Micheldorf der Wehr ein künstlerisch ausgeführtes Trinkhorn, welches noch heute von der Feuerwehr aufbewahrt wird. Ein Hornjunker hatte die Aufgabe, das Horn bei Feierlichkeiten mit zutragen und den Ehrentrunk daraus zu reichen.

Die Kriegsjahre 1914 - 1918 und die diesen Jahren folgende Notzeit brachten schwere Zeiten für die Micheldorfer Feuerwehr. Ein Teil der Mitglieder wurde zum Militärdienst eingezogen, darunter auch Hauptmann Zeitlinger selbst. Der Brandschutz für den Ort konnte daher nur mehr notdürftig aufrecht erhalten werden.

Die Feuerwehrmänner Michael Almer, Johann Lachmaier, Jakob Zeiselberger, Josef Moser sind aus dem 1. Weltkrieg nicht mehr heimgekehrt.

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